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Die Hinterländer Mountainbiker

Angefangen hat alles mit dem Erkunden schon existierenden Wanderwegen, die wir der Öffentlichkeit vorstellen wollten. So führte uns 1994 eine dreitägige Fahrt über den 168 Kilometer langen Rennsteig. Noch im selben Jahr fuhren als Erste in fünf Tagen den fast 300 Kilometer langen Lahn-Höhenweg, der wenig später offiziell eingeweiht wurde. Wir, das sind Harald Becker 46, Jörg Krug 35, Siegfried Pitzer 55, Matthias Schmidt 44 und Ulrich Weigel 47. Lag zunächst der Schwerpunkt dieser Touren auf der sportlichen Herausforderung, entdeckten wir zunehmend unser Interesse an der Erforschung historischer Wege und der Zeit, in der sie entstanden sind. Unterstützt wurden wir von Anfang an von der Presse, die großes Interesse an unseren Unternehmungen zeigte, und unsere Tourberichte in der Zeitung für alle nachvollziehbar abdruckte. Auch das Fernsehen konnten wir für unser Projekt "Geschichte erfahren" begeistern - mittlerweile existieren über 20 verschiedene Filmberichte über unsere Aktionen. Am Ende eines jeden Projektes entsteht eine Broschüre mit Tagesberichten und Höhenprofilen, geschichtlichen Hintergründen rund um die Tour, Sehenswürdigkeiten und einer Wegebeschreibung in Form von GPS- Daten, die es Jedem ermöglichen unserer Reisen nachzuahmen. Schon sehr früh haben wir uns mit der mobilen Satellitennavigation auseinandergesetzt, Anfangs noch mit einem Rucksack voller Batterien zwecks Stromversorgung ausgerüstet, sind wir heute in der Lage, mit handygroßen Geräten unsere Touren am PC zu planen und später auch aufzuzeichnen. Im Voraus zu wissen wie viele Höhenmeter einen erwarten, ist für die Planung und Durchführung von Touren, so wie wir sie machen von unschätzbarem Vorteil. Mit den nächsten Touren näherten wir uns immer mehr dem Ziel, unsere Radfahrleidenschaft mit unserem Geschichtshunger zu verbinden. 1995 fuhren wir auf den Spuren der heiligen Elisabeth den mit "E" markierten 56 Kilometer langen Elisabethpfad von Marburg bis zum Kloster Altenberg und erfuhren dabei eine ganze Menge Wissenswertes über die Landgräfin aus Thüringen. Noch im Selben Jahr befuhren wir den 215 km langen Wartburgpfad, der uns auf anspruchsvollen und natürlich teils historischen Strecken von Hatzfeld durch den Burgwald über den Knüll, Stölzinger Gebirge über Ringgau und Wartburg schließlich nach Eisenach führte. Insgesamt waren dabei 4000hm zu bewältigen. Ein Jahr später konnten wir erneut eine Premiere feiern: wiederum als Erste fuhren wir den geschichtsträchtigen Barbarossaweg in seiner vollen Länge von 334 Kilometern. Reichte der Wanderweg zunächst nur von Korbach bis Wanfried im Werratal, wurde diese Strecke zum 100. Jubiläum des Kyffhäuser-Denkmals bis dorthin verlängert. Zahlreiche historisch interessante Stationen markieren diesen Weg. Dementsprechend war es für uns nicht nur eine große sportliche Herausforderung, sondern auch das Eintauchen in die Geschichte. Die letzten 95 Kilometer des überregionalen Wanderweges konnten wir sogar zwei Mal genießen. Beim zweiten Mal begleitete uns ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks, um den neuen Teil des Barbarossaweges von der ehemals deutsch-deutschen Grenze bis zum Kyffhäuser-Denkmal zu dokumentieren. Dass uns diese Tour einmal einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekord bescheren würde, ahnten wir damals noch nicht. Zu verdanken haben wir das Ganze eigentlich dem HR, der uns während der Reise zu einem Besuch des Kalibergwerkes in Sondershausen einlud. Beim Einfahren in den Berg, wurde die Idee geboren mal unter Tage, sozusagen mal "Down under" zu fahren. Nachdem mit der Betreibergesellschaft alle rechtlichen und sicherheitsrelevanten Dinge geklärt waren, stand dieser Herausforderung nichts mehr im Wege. Bei schweißtreibenden 30 Grad ging es durch das Stollensystem des ältesten befahrbaren Kalibergwerks der Welt. Sehr treffend betitelte der Hessische Rundfunk den Film, den er über diese halsbrecherische Tour drehte, mit "Hawaii in Sondershausen". Die Idee daraus einen Weltrekord zu machen, kam uns erst später. Als Superlative kam natürlich nur die "Tiefste Mountainbike- Tour unter Tage" in Betracht. Der Antrag war schnell gestellt. Erfahren, dass es geklappt hat, haben wir durch einen Anruf der Zeitung mit dem 4 großen Buchstaben, die jährlich über besondere, neue Rekorde berichtet, so auch über den Unseren, bevor dann kurze Zeit später die Urkunde als offizielle Bestätigung kam. Hier der Originalauszug aus dem Guinnessbuch der Rekorde Ausgabe 1998/Seite15: Untertage-Radfahren: Bis in eine Tiefe von 840m uNN kamen die Mountainbiker Harald Becker, Jörg Krug, Siegfried Pitzer, Matthias Schmidt und Ulrich Weigel am 22. Februar 1997 im ältesten befahrbaren Kalibergwerk der Welt in Sondershausen, Thüringen (D); Streckenlänge: 29 km Animiert durch unsere Idee, über die in einer bekannten Radfachzeitschrift berichtet wurde, lies das erste Mountainbikerennen unter Tage nicht lange auf sich warten. Dieses kleine Intermezzo hat zum einen natürlich sehr viel Spaß bereitet, zum anderen hatten wir in diesem Jahr genügend Zeit, uns auf unser nächstes großes Projekt vorzubereiten: Ziel war es diesmal, einen bedeutenden, mittelalterlichen Handels- und Heerweg mit all seinen größtenteils verfallenen Burgen vorzustellen und für jedermann nachvollziehbar zu machen. Viel Zeit verbrachten wir in Bibliotheken mit dem "begeisterten Wühlen in schweinsledernen Schwarten" und im Gespräch mit Historikern und Heimatforschern, denen wir an dieser Stelle nicht genug danken können, bis wir den in Vergessenheit geratenen Höhenweg, die Ost-West-Verbindung von Köln nach Leipzig, die so genannte "Brabanter Straße", rekonstruieren und nachfahren konnten. Wieder ausgestattet mit GPS haben wir den mittelalterlichen Weg und die Positionen der Burgen aufgezeichnet, so dass alle, die diese Tour nachfahren wollen, auf dieses Hilfsmittel zurückgreifen können. Kaum waren wir wieder zu Hause angelangt, stürzten wir uns auf das nächste Projekt: Diesmal wollten wir den Weg des hessischen Landgrafen Philipp aus seiner spanisch-niederländischen Gefangenschaft zurück nach Hessen verfolgen. Er reiste 1552 - begleitet von spanischen Reitern - von Leuven in Belgien in seine Heimat, wo er nach 350 Kilometern am Staffelböll bei Simmersbach erstmals wieder hessischen Boden betrat. Welchen Weg er genau wählte, und was es mit seiner verbotenen Doppelehe auf sich hatte, lässt sich in unserem Buch "Geschichte erfahren", in dem die Geschichte ausführlich beschrieben wird, nachlesen. Nachdem wir jetzt zwei Mal West-Ost-Verbindungen erforscht hatten, zog es uns im neuen Jahrtausend in den Süden der Republik. Wir begaben uns auf die Spuren des letzten Stauferkaisers Friedrich II., der im Jahr 1236 den weiten Weg von Straßburg nach Marburg zurücklegte, um der Umbettung der heiligen Elisabeth beizuwohnen. Waren es nur religiöse Gründe, die ihn diese Reise antreten ließen? Auch eine der vielen Fragen, die in unserem Buch erörtert werden. Eines unserer erklärten Ziele war immer, möglichst viele Menschen für unseren Sport und für Geschichte zu interessieren. Dementsprechend unternahmen wir noch im selben Jahr eine Rad- und Erkundungstour für Jung und Alt im Hinterland. Wir versorgten die etwa hundert Teilnehmer mit zwei schönen Routen und viel Wissenswertem am Wegesrand. Auch 2001 war ein ereignisreiches Jahr: Waren wir zunächst in Sachen neuester Mountainbiketechnik für den Hessischen Rundfunk unterwegs, tauchten wir dann erneut in die Geschichte ein. Das räuberische Treiben der "armen Leute von Kombach" stand im Mittelpunkt unserer Recherche. Wieder konnten wir unsere Begeisterung für die Geschichte weitergeben: Wir fuhren mit etwa 50 Teilnehmern den zweiten Teil der Strecke von Kombach in die Subach nach, so dass alle hautnah die Ereignisse nachvollziehen konnten. Mittlerweile bekannt für unsere außergewöhnlichen Unternehmungen, hatten wir für 2002 gleich drei Ideen: Zum einen schufen wir gemeinsam mit dem Simmersbacher Schützenverein den 1. "Hinterländer Bikeathlon," dabei werden 3 Runden auf einem in der Gemarkung Simmersbach/Oberhörlen gesteckten Rundkurs gefahren, dazwischen jeweils abwechselnd stehend liegend geschossen. Diese Sportart erfreute sich zwischenzeitlich wachsender Beliebtheit, do dass wir ein paar Jahre lang sogar eine Serie gemeinsam mit den Schützenvereinen Biedenkopf, Breidenbach Quotshausen und Simmersbach auf die Beine stellten. Obwohl wir in verschiedenen Alters- und Fitnessklassen anboten, blieben leider zusehends die "Radelnden Schützen" und die Freizeitradler(innen) weg, so dass am Ende nur noch die treuen sportlich ambitionierten Mountainbiker teilnahmen, für die alleine sich der doch beträchtliche Aufwand einfach nicht mehr lohnte. - Schade!! Zum Anderen begaben wir uns mit unseren Mountainbikes aufs Eis. Ausgerüstet mit nur ein Millimeter langen Spikes fuhren wir den Eiskanal der im Durchschnitt steilsten Bobbahn der Welt in Winterberg hinauf und natürlich auch wieder herunter. Das war ein Erlebnis der ganz besonderen Art, hat man erst einmal die psychologische Hürde überwunden, zu wissen dass man sich auf sehr glattem Eis bewegt man aber nicht fällt, macht es einen Riesenspass und man wird zunehmend mutiger. Dass man aber die physikalischen Grenzen trotzdem nicht überwinden kann, davon zeugt der dabei entstandene Fernsehbeitrag, der auf unserer Homepage: www.himobiker.de als Videostream zu sehen ist. Zum Dritten fanden wir noch genug Zeit, eine unserer wohl spektakulärsten historischen Tour vorzubereiten: nichts Geringeres als auf Hannibals Spuren wollten wir über die Alpen fahren. Obwohl wir bei dieser Tour an unsere konditionellen Grenzen stießen, möchten wir die Erfahrungen und Erlebnisse dieser Reise nicht missen. Nach einer knapp einjährigen Recherche und zahlreichen Besuchen in der Bibliothek des Instituts für alte Geschichte in Marburg und Gesprächen mit Historikern fanden wir Hinweise auf insgesamt 16 verschiedene Wege, auf denen Hannibal die Alpen überquert haben soll. Die zahlreichen Historiker, die sich mit dem Geschichtsereignis beschäftigt haben, kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Ungewissheit über den genauen Weg rührt von den Chronisten her, die von der Alpenüberquerung berichten. Auch Livius und Polybios widersprechen sich in ihren Angaben über Hannibal und seinen Feldzug. Wahrscheinlich scheint, dass sich Hannibal mit seinem Gefolge aufgeteilt hat und zwei verschiedenen Routen folgte. Und hier ist besonders der Westalpenpass der Antike, der Mont Genevre zu nennen, den auch der Wiener Professor Josef Fuchs 1897 für seine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad wählte. Dabei fand er Geländeformen und enge Flussstellen, wie sie von Livius und Polybios beschrieben worden waren. Leider sind diese Beweise zum Teil dem modernen Straßenbau und einer Talsperre zum Opfer gefallen. Bei dem Mont Genevre handelt es sich um einen Gebirgspass, der zwischen den Dauphine-Alpen im Nordwesten und den Cottischen Alpen im Südosten liegt. Der 1.854 m hohe Straßenpass verbindet Briancon im Durancetal mit Susa im Tal der Dora Riparia und Turin am Po. Dieser Übergang war wohl schon den Kelten bekannt und wurde für die Römer zu einem der wichtigsten Alpenpässe der Antike. Noch im 11. Jahrhundert befand sich auf der Höhe des Mont Genevre ein römischer Tempel, der die Bedeutung dieses Alpenpasses unterstreicht. Vieles spricht dafür, dass auch Hannibal diesen Weg wählte, und so folgen wir bei unserer Alpenüberquerung den Fahrradspuren von Professor Josef Fuchs. Im Gegensatz zu Herrn Fuchs, der sich mit einem alten Puch Waffenrad ((Symbol)) ohne vernünftige Gangschaltung und Federung auf den Weg machen musste, konnten wir auf modernste Bike-Technik zurückgreifen. Wieder mit GPS ausgerüstet, waren wir natürlich auch bei der Streckenführung gegenüber unserem Vorbild im Vorteil. Vereinfacht doch die Fahrt anhand GPS die Orientierung im Gelände erheblich, das lästige anhalten, Karte raus, wo ist Norden? Entfällt. Man spart eine Menge Zeit und Nerven, weiß man doch für den Fall man verfährt, sich jederzeit wo man sich befindet. Wir hatten die erforschte Route im Vorfeld - anhand topographischer Karten - am PC eingegeben und damit die Tagesetappen und Höhenprofile geplant und berechnet. 2003 widmeten wir uns wieder der Hinterländer Geschichte. Vor über 1000 Jahren trat das Hinterland aus dem Dunkel mittelalterlicher Geschichte. Laisa und Battenfeld rückten durch eine Schlacht zwischen Sachsen und Franken ins Licht der ersten Erwähnung. Diesmal interessierte uns der Weg, den die Sachsen bei ihrem Rückzug von Neuwied aus wählten, bevor sie von dem Frankenkönig Karl dem Großen bei Laisa und Battenfeld gestellt wurden. Im folgenden Jahr ( uns gibt's jetzt bereits seit 10 Jahren) zog es uns wieder über die Grenzen Deutschlands hinaus. Bis nach England folgten wir den Spuren des heiligen Bonifatius, der in dem englischen Ort Credition geboren wurde. Erst nach seiner Ausbildung zum Missionar in England fühlte er sich seinem Auftrag der Christianisierung der Heiden auf dem Festland gewachsen. Das hessische Fulda erwählte er zu seinem Lieblingsort - der Bau eines Klosters sollte die Bedeutung, die Fulda für Bonifatius hatte, unterstreichen. 2005? Gründeten wir die Firma HMB- Services, deren Aufgabe darin besteht, für Kommunen Wander- und Radwege mittels GPS Daten zu erfassen, aufzubereiten und mit Sehenswürdigkeiten entlang der Wege zu versehen, die die Kommunen ihrerseits auf den Homepages den Interessierten Bürgern und Urlaubern zur Verfügung stellt. So haben wir zum Beispiel für den Verein Region Lahn- Dill- Bergland einen Großteil der bestehenden Rad- und Wanderwege aufbereitet. Sportlich bewegten wir in dem Jahr mehr unsere Finger auf der PC- Tastatur, als die Pedalen unserer Räder. Das liegt daran, dass wir unsere schönsten Erlebnisse in Form eine Buches präsentieren wollten. Dass wir dieses, auch finanziell hochgesteckte Ziel erreichten, haben wir vor Allem unseren Sponsoren und dem wohlwollenden Engagement des Jonas Verlags und Frau Karin Uth zu verdanken, die die Textredaktion übernahm und wir wieder mehr in die Pedalen treten konnten. Unter dem Titel "Geschichte erfahren" war es dann 2006 soweit. Es hatte so ein bisschen was mit der Geburt eines Kindes zu tun. Für die Idee brauchten wir nicht lange, dann 9 Monate hart daran gearbeitet, es wurde immer größer und viel Geld hatæs auch gekostet, aber dann war es endlich soweit, - unser erstes Buch war da! Wir waren ganz stolz. Auf dem Stand des Jonas Verlages auf der Leipziger Buchmesse haben wir es dann der Öffentlichkeit präsentiert. Darin haben wir 7 unserer bis dahin schönsten Erlebnisse zusammengefasst. Das Buch beinhaltet außerdem eine CD-ROM mit Routenplaner, mit dessen Hilfe man die Strecken nachfahren kann. Daneben kann man sich natürlich auch ganz konventionell mit dem von uns angegebenen Kartenmaterial auf die historischen Wege begeben. Neben dem reinen Streckenverlauf, den wir etappenweise und mit Angabe der Höhenmeter ausführlich beschreiben, möchten wir alle, die diese Touren nachfahren oder auch erwandern wollen, mitnehmen auf unsere historischen Reisen, indem wir viel Wissens- und Sehenswertes in unsere Berichte einfließen lassen. Noch im selben Jahr erwartete uns ein ganz besonderes Abenteuer. In den Kopf gesetzt hatten wir uns die chinesische Mauer mit dem Mountainbike zu er"fahren". Die Planungen begannen bereits schon 2004 und es sollte bis dato unser größtes Abenteuer werden, das Projekt "Great Wall". Wir hatten uns vorgenommen mit unseren Bikes hessische Geschichte in Peking aufzusuchen und eben auch eine Tour auf der Chinesischen Mauer zu machen. Uns war klar, dass wir unvergessliche Momente erleben würden. Unsere Touren sind oft sehr weit von der Heimat entfernt, eine Recherche vor Ort unmöglich, d.h. wir müssen alles von zu Hause aus planen und recherchieren. Speziell bei unserem Projekt in China war das anders nicht möglich. Mühevoll haben wir Karten gescannt und alle historisch bedeutsamen Punkte bestimmt, die wir in Peking aufsuchen wollen. Ebenso wollen wir Abschnitte der Chinesischen Mauer mit unseren Bikes bezwingen. Speziell Abschnitte der "Wilden Mauer" sollten es sein. So wird der größte, teils verfallene nicht renovierte und für Touristen nicht zugängliche Teil der Chinesischen Mauer bezeichnet. Für die Abwicklung der Formalitäten und für die Reisevorbereitung fanden wir ein Reisebüro, das sich auf solche Individualreisen nach China spezialisiert hat und sich auch vor Ort um uns kümmerte. So stand uns ständig eine Dolmetscherin ein Fahrzeug für uns und eines für unsere Räder zur Verfügung. Am 8. Oktober 2006 war es dann soweit, wir starten begleitet von einem Kameramann des Hessischen Fernsehens vom Flughafen Frankfurt aus mit Air China nach Peking. Unsere Bikes, speziell angefertigt für dieses Projekt, nehmen wir mit. In Peking angekommen machen wir uns auf den Weg hessische Geschichte in Peking zu suchen. Hierzu gehören unter anderem ein Deutsches Hospital von 1905, ein Gebäude des hessischen Architekten Friedrich Basel, ein deutscher Friedhof sowie das Gesandtschaftsviertel (Legation Quarter). Das Viertel war der Mittelpunkt des Lebens der Ausländer in Peking. Leider mussten wir feststellen, dass fast alle Spuren dem enormen Baudrang der Chinesen zum Opfer gefallen sind. Peking rüstet sich für die Olympischen Spiele 2008. Natürlich wollen wir aber auch die besonderen Sehenswürdigkeiten Pekings erleben. Wir fahren zum Platz des Himmlischen Friedens und machen einen Abstecher in den Kaiserpalast um uns dann schließlich auf den Weg zum Chinesischen Radiosender CRI zu machen. Unser Vorhaben ist auch hier auf reges Interesse gestoßen. Man hat uns eingeladen ein Interview zu geben, welches auch in Deutschland gesendet werden wird. Eindrücke die wir in Peking aufgenommen haben sollten jedoch nicht zu vergleichen sein mit dem was uns am nächsten Tag auf der Chinesischen Mauer erwarten würde. Mit dem Bus fahren wir etwa 80 km nordwestlich von Peking zu einem Abschnitt der Chinesischen Mauer. Wir kennen die Mauer nur von Fotos, auf denen bereits sehr gut erkennbar ist, dass die Mauer sehr steil und unwegsam ist. Einen Eindruck davon, wie steil die Mauer tatsächlich ist, bekommen wir allerdings erst als wir sie zum ersten mal sehen, und uns wird klar, das dies ein großes Abenteuer werden wird. Wir befinden uns am Juyongguan Pass, einem Teil der renovierten Mauer, der touristisch erschlossen ist. Zu Fuß ist das Besteigen der Mauer bereits äußerst anstrengend, zusammen mit unseren Bikes jedoch eine absolute Herausforderung. Die meiste Zeit müssen wir unsere Bikes über steile Treppen tragen, doch jeden Meter den wir fahren können, genießen wir dafür umso mehr. Wir nutzen die tolle Kulisse um einige schöne Filmaufnahmen für das Hessische Fernsehen zu machen. Wir wollen aber noch mehr, wir wollen auf die "Wilde Mauer". Dieses Vorhaben ist ungleich schwerer als das besteigen der renovierten Mauer. Nicht nur das es offiziell untersagt ist die "Wilde Mauer" zu betreten, sie ist auch nur schwer zu erreichen, den Weg dorthin kennen nur die Einheimischen. Wir lassen uns in die Nähe von Mutianyu in ein kleines Dorf fahren. Hier ist ein Chinese bereit uns den Weg zu zeigen und uns an die Mauer zu begleiten. Wir schieben unsere Räder auf einem schmalen Pfad durch urwaldähnliches Gelände einen Berg hinauf bis schließlich nach etwa 2 Stunden die Mauer aus dem Nebel heraus plötzlich vor uns steht. Wir sind etwas erleichtert, aber noch nicht am Ziel. Auf der Mauer müssen wir nun unsere Bikes tragen. Die Mauer ist so steil und verfallen, das wir teilweise zu zweit die Räder mühevoll Stück für Stück weiter tragen müssen. Nach nochmals etwa 1 Stunde erreichen wir den Bergkamm, auf dem die Mauer nun flacher wird. Es ist eine etwas unwirkliche Umgebung. Wir sind absolut alleine, der Nebel verhüllt die zerfallene Mauer, auf der keine Touristen spazieren gehen, sondern Bäume und Sträucher wachsen. Ein kleiner Pfad schlängelt sich durch das Gestrüpp, für uns wie eine Einladung, die wir gerne annehmen. Nach drei Stunden Aufstieg mit etwa 600 zurückgelegten Höhenmeter sind wir endlich dort wo wir hin wollten. Wir steigen auf unsere Bikes und genießen den Moment mit der Gewissheit, Mountainbike gefahren zu sein, wo wahrscheinlich vor uns noch keiner gefahren ist. Am Ende unserer Tour in China haben wir mehrere Felgen demoliert, unsere schönen Bikes haben zahlreiche Kratzer bekommen, und wir selbst einige kleine Prellungen und Schürfwunden davongetragen Unser bisher letztes Abenteuer brachte uns nach Brasilien. Wir wollten den Spuren Hinterländer Auswanderer folgen. Weniger die Abenteuerlust als viel mehr der Kampf um das nackte Überleben zwang im 19. Jahrhundert viele Hessen zur Auswanderung. Der Postraub in der Subach, unser Projekt 2001, führte uns schon einmal in jene Zeit und wir lernten viel über die katastrophalen Zustände, mit denen unsere Vorfahren zu kämpfen hatten. Da zu dieser Zeit das Hauptauswanderungsziel der Deutschen die USA waren und dieses Auswanderungsland auch schon sehr gut erforscht war (und das wäre uns auch zu einfach gewesen), haben wir uns für das umstrittenste Auswanderungsland des 19. Jahrhunderts entschieden. Denn kein Land, in das die deutsche Auswanderung ihren Weg nahm, war in Deutschland so umstritten und als Auswanderungsziel bekämpft worden wie Brasilien. Uns war bis dahin nicht bewusst, dass es außerhalb Deutschlands keinen "deutscheren" Staat in der Welt gibt und Brasilien die älteste Demokratie der Welt repräsentiert. Neugierig machten uns auch, ganz zu schweigen von den fahrradtechnischen Abenteuern, die uns dort erwarten würden, besonders historische Hinweise, wie: "In Hessen Darmstadt scheinen trotz aller Abmahnungen und Agentenjagd 3000-4000 Personen nach Brasilien gegangen zu sein. (Quelle Struck)" oder " Auch aus dem "Biedenkoepfischen" flüchteten viele aus der weit verbreiteten Armut in die Kornkammer Brasiliens." Allein im Jahre 1818 fanden über 600 Personen aus dem hessischen Hinterland den Weg in diese neue Heimat. Lange Zeit gab es hier viele Orte mit deutschen Namen und auch heute spricht und schreibt man vielerorts noch die Muttersprache der deutschen Vorfahren. All dies und die Kombination mit der Geschichte des hessischen Konquistadoren Hans Staden haben uns diesen Entschluss fassen lassen, lange bevor wir ganz "heiße" Spuren aus dem Hinterland entdeckten. Hans Staden, ein Hesse, der schon Mitte des 16. Jahrhunderts Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes mit seiner 81-mal herausgegebenen "Wahrhaftige Historia von den nackten, wilden Menschenfressern" erlebt und geschrieben hat, machte uns neugierig. Sein Werk ist eine der unmittelbarsten und verlässlichsten Urkunden aus der Zeit der Landnahme Brasiliens. Der Vater des in Hessen geborenen und gestorbenen protestantischen Landsknechts und Büchsenschützen stammte aus Wetter. Sein Buch ist eine der frühesten Geschichtsquellen vom fünftgrößten Land der Erde, damals "Land des heiligen Kreuzes" genannt. Aber auch in diesem Buch genannte Wegbegleiter und Zeitgenossen motivierten uns zu diesem Projekt. Da war zum einen Heliondorus Hessus, der in Marburg studierte und am 1. März 1565 einer der Mitbegründer der 2. Hauptstadt Brasiliens, Rio de Janeiro, wurde. Oder es gab zum anderen den damaligen Generalstatthalter der Staatshauptstadt Recife, Prinz Moritz von Nassau-Siegen aus unserer Nachbarschaft Dillenburg. Wir hoffen, dass der Funke unserer Geschichtsbegeisterung bei dem Ein oder Anderen überspringt und vielleicht der Ein oder Andere Nachahmer findet, der Spaß daran hat, unsere Touren zu erfahren oder zu erwandern. Oder vielleicht sogar Lust bekommt eigene Recherchen über geschichtliche Ereignisse und historische Wege in Hessen anzustellen. An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Familien uns ganz besonders bei allen Sponsoren und Gönnern bedanken, die uns zum Teil schon von Anfang an mit Material oder auch finanziell unterstützen. Ohne sie wären diese Unternehmungen über Jahre hinweg in dieser Form nicht möglich. - Danke! Dieses Jahr holen wir Luft um dann 2010 wieder hoffentlich was ganz Außergewöhnliches erleben zu dürfen. Die Planungen laufen bereits und es ist gut möglich, dass wir dem schwarzen Kontinent einen Besuch abstatten werden. Ob uns das gelingt, oder ob es doch ein anderes Ziel wird, wird sich zeigen. Jedenfalls gehen uns die Ideen so schnell nicht aus.
Unsere Bisherigen Unternehmungen:

  • 1993 Rennsteig
  • 1994 Lahnhöhenweg
  • 1995 Wartburgpfad - Elisabethpfad
  • 1996 Babarossaweg
  • 1997 Down Under - Bergwerk Sondershausen
  • 1998 Brabanter Strasse - Eintrag ins Guinnessbuch
  • 1999 Landgraf Philipps Heimritt
  • 2000 Kaiser Friedrich
  • 2001 Postraub in der Subach und Bobbahn Winterberg
  • 2002 Hannibal und 1. Bikeathlon
  • 2003 Karl der Große - Die Schlacht bei Laisa und Batttenfeld
  • 2004 Bonifatius
  • 2005 HMB - das Buch
  • 2006 The Great Wall
  • 2007 Rothaarsteig (inoffiziell)
  • 2008 Brasilien
  • 2010 Namibia
  • 2012 In Planung

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