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2.Tag von Bento Goncalves nach Lajeado

Vom italienischen ins deutsche Gebiet

Bento Goncalves, 1875 von italienischen Einwanderern aus der Region Venedig gegründet, ist heute bekannt als Hauptstadt der Traube und des Weines. Hier beginnt unsere zweite Etappe, die uns im Laufe des Tages zunächst weiter durch das italienische und schließlich in das deutsche Einwanderungsgebiet führen soll. Die ersten 15 km, vorwiegend auf grobem Kopfsteinpflaster unterwegs, lassen uns bei herrlichem Wetter glauben, wir seien im italienischen Trentino, wären da nicht immer wieder die exotischen Vogelstimmen. Klangvolle Namen wie beispielsweise Garibaldi und Val dos Vinhedos begleiten uns durch die größten und bekanntesten Weinanbaugebiete von Rio Grande do Sul. Die ständigen, teilweise extremen Anstiege von bis zu 21% und die unbarmherzige Sonne (35C im Schatten, der so gut wie nie vorhanden ist) kosten viel Kraft und vor allem Flüssigkeit. Stundenlang ist kein Ort in Sicht, aber dann kann Harry einen Liter Wasser in einem Gehöft erbetteln. Unsere Riegel und Bananen sind auch schon verbraucht, aber unser Hunger kann nicht so groß sein, dass wir in einer kleinen Bar, die ein Brasilianer italienischer Abstammung führt, auch nur einen Bissen herunter bekämen. Also geht es, natürlich weiter bergauf und immer wieder von Hundegebell begleitet, zu einem kleinen Dorf. In einem Lebensmittelladen kaufen wir uns Brot, Käse, Mortadella, Sardinen und Thunfisch und füllen unsere Kraftreserven wieder auf. Arne vom Hessen-Fernsehen entscheidet, ab hier auf vier Rädern die Weiterreise anzutreten. Er wird in Lajeado schon Kontakt mit H. Collischonn aufnehmen, da dort das brasilianische Radio auf uns wartet und wir schon jetzt deutlich hinter unserem Zeitplan liegen. Also geht's weiter und das erste und wahrscheinlich letzte Mal in unserem Leben verscheuchen wir mit unseren Bikes Geier, die sich gerade am Kadaver eines Nasenbären laben. Endlich ist der höchste Punkt des Tages erreicht und es geht hinab bei Geschwindigkeiten von bis zu 79 km/h auf in das 125 m über NN gelegene Städtchen Imigrante, das durch das Zusammenleben deutscher und italienischer Auswanderer geprägt ist. Schon bei der ersten Person, die wir an der Straße antreffen, ein Mann mit Strohhut, landen wir einen Volltreffer. H. Brune ist deutscher Abstammung (in fünfter Generation) und seine Tochter lebt mittlerweile in Deutschland. Seite 17 von 52 Hier ist unsere erste Begegnung mit dem vor 180 Jahren vorwiegend von rheinländischen Immigranten importierten und mit portugiesisch vermischten Hunsrücker Dialekt. Bei Horst, natürlich auch deutscher Abstammung, machen wir Rast und erfahren bei einem eisgekühlten Schoppen mehr über die Geschichte der Einwanderer, die sich hier vorwiegend im Ortsteil Arroio da Seca angesiedelt haben. Anstatt Traktoren verrichten hier noch Ochsengespanne die Arbeit. Sehenswert ist auch der größte Kakteengarten von Rio Grande mit über 1000 verschiedenen Spezies aus der ganzen Welt. Ab jetzt machen wir an fast jedem Friedhof Halt auf der Suche nach interessanten Inschriften auf den teilweise 180 Jahre alten Grabsteinen. Erst in der Dunkelheit und begleitet von bisher nicht gekannten Froschlauten (Klang und Lautstärke) erreichen wir nach 85 km, die 1853 vom deutschen Landvermesser Carl Ernst Mützel gegründete und 80.000 Einwohner zählende Stadt am Ufer des Flusses Taquari. Hier werden wir schon von Jose, Heinrich und H. Collischonn sehnsüchtig erwartet und zu einem deftigen Churassco eingeladen.

Das Höhenprofil und Daten der Etappe

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